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Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Rubio ruft Europäer zu einer zivilisatorischen Allianz auf

Autorin/Autor: Timon Ostermeier

Der amerikanische Außenminister und Nationale Sicherheitsberater streckt in München den Europäern die Hand aus. Sein Angebot aber ist vergiftet: Es beinhaltet den amerikanischen Kulturkampf, den Friedrich Merz ausdrücklich zurückweist.

Verteidigungsminister Boris Pistorius und der amerikanische Außenminister auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026.

Verteidigungsminister Boris Pistorius und der amerikanische Außenminister auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026.

Marc Conzelmann/MSC

Die jährliche Münchner Sicherheitskonferenz ist das größte und vielleicht wichtigste Treffen des Who’s who der internationalen Politik. Im vergangenen Jahr sorgte die Rede des US-Vizepräsidenten J. D. Vance für Schlagzeilen.

In was die meisten Europäer als „die Eröffnungssalve eines transatlantischen Scheidungsverfahren“ oder zumindest als „einen vernichtenden Angriff“ wahrnahmen, belehrte Vance Europa über Meinungsfreiheit und demokratische Werte und warnte vor einem „Feind von innen“, der gefährlicher sei als äußere Bedrohungen. 

Es war eine verblüffende Umkehr der Rollen, da Europäer Präsident Trump lange wegen seiner Haltung zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit kritisiert hatten.

Der Präsident Montenegros stellte Friedrich Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 eine Frage zum EU-Erweiterungsprozess.

Steffen Boettcher/MSC

Eine diplomatische Leistung, die mit stehenden Ovationen bedacht wurde

Mit Vances Rede von 2025 noch im Gedächtnis wurde der diesjährige Auftritt des US-Außenministers Marco Rubio mit großer Spannung erwartet. Obwohl er nichts sagte, was nicht bereits in der Nationalen Sicherheitsstrategie oder zuvor von Trump und Vance geäußert worden war, erhielt er überraschend stehende Ovationen, unter anderem von den deutschen Außen- und Verteidigungsministern.

Eingebettet in eine ansprechende Erzählung gemeinsamer amerikanischer und europäischer Geschichte sowie kultureller Bindungen bot Rubio seinem europäischen Publikum teilweise genau das, was es verzweifelt hören wollte.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass dies ein beinahe perfektes Beispiel für Diplomatie gewesen sein könnte, bei dem nicht das „Was“, sondern das „Wie“ – und das, was nicht gesagt wurde – entscheidend war. Möglicherweise ließ sich das Konferenzpublikum sogar von Rubios warmen Worten und Storytelling täuschen.

Friedrich Merz wies den Kulturkampf der MAGA-Bewegung zuvor ausdrücklich zurück

Obwohl er direkte Kritik an Europa vermied, wich Rubio nicht vom bisherigen Vance-Trump-Skript ab, einschließlich des Topos einer „zivilisatorischen Auslöschung“ Europas. Tatsächlich könnte Samuel P. Huntingtons wegweisendes Werk „Kampf der Kulturen“ künftig als Analyserahmen für Rubios Rede in Universitätsseminaren dienen. Denn Rubio bezog sich nicht auf liberalen Institutionalismus oder die gemeinsame Geschichte der Aufklärung – Kant, Franklin, Wilson –, sondern betonte vielmehr Christentum und kulturelles Erbe.

Amerikanischer Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater von U.S.-Präsident Trump: Marco Rubio auf der MSC 2026.

Thomas Niedermueller/MSC

Dieses Narrativ durchzog seine Rede von Anfang bis Ende, wobei Rubio den Begriff „Zivilisation“ rund ein Dutzend Mal verwendete, meist im Zusammenhang mit „Überleben“, „Größe“ und dem „Westen“. Als Bezugspunkte dienten christliche Kultur und Missionare, klassische Künstler wie Mozart und Da Vinci, sogar popkulturelle Ikonen wie die Beatles und Rolling Stones bediente der Amerikaner. Aber Rubio berief sich weder auf die Philosophen der Aufklärung, noch auf emanzipatorische Bewegungen; vielmehr stellte er die antikolonialen Bewegungen nach 1945 in ein negatives Licht von „gottlosen kommunistische Revolutionen“, die die Welt veränderten und die „großen westlichen Imperien“ beseitigten.

Obwohl die Rede versicherte, dass die USA Europa als Verbündeten wünschen, machte Rubio erneut deutlich, dass diese Partnerschaft zu amerikanischen Bedingungen stattfinden würde und Washington bereit sei, nötigenfalls allein vorzugehen. 

Kanzler Friedrich Merz hatte diesen Kulturkampf der MAGA-Bewegung am Vortag noch scharf zurückgewiesen. Gemeinsam mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen trat er für eine Stärkung der Beistandspflicht innerhalb der Europäischen Union (Art. 42 EU-Vertrag) ein. 

Eine ausführliche Analyse, warum Rubios zivilisatorische Rede ein vergiftetes Angebot an Europa ist, warum Merz‘ Rede eine bessere Richtschnur für die transatlantische Partnerschaft bietet und was andere europäische Regierungschefs und EU-Vertreter sagten, lesen Sie in unserem Bericht hier

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Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Timon Ostermeier
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