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Partnerschaft mit beiderseitigem Nutzen
Quo vadis Global Gateway?

Autorin/Autor: Annika Linck

Am 26. März verabschiedete das Europäische Parlament einen Bericht zur Bewertung der EU-Strategie Global Gateway. Der Bericht „Global Gateway – past impacts and future orientation“ beurteilt die bisherigen Ergebnisse der Strategie seit ihrer Einführung im Jahr 2021 und formuliert Empfehlungen für deren zukünftige Ausrichtung.

Visit of Ursula von der Leyen, President of the European Commission, to South Africa Wall display for the South Africa-EU leaders' meeting (C) European Union, 2025

Die Strategie Global Gateway ist der zentrale Ansatz der EU zur Förderung nachhaltiger Investitionen in Partnerländern. Sie stellt eine wertebasierte Alternative zu anderen globalen Investitionsprogrammen, insbesondere der chinesischen Belt and Road Initiative dar, und verbindet außenpolitische, wirtschaftliche und entwicklungspolitische Ziele. Laut Europäischer Kommission wurden bis Ende 2024 über 270 Vorzeigeprojekte („Flagships“) identifiziert und rund 306 Milliarden Euro mobilisiert. Der Bericht kritisiert jedoch die mangelnde Transparenz bei der Berechnung dieser Summe. 

Das Europäische Parlament hebt in dem Bericht die wachsende geopolitische Bedeutung von Global Gateway hervor, insbesondere angesichts zunehmender globaler Konkurrenz und sinkender Entwicklungsfinanzierung. Gleichzeitig zeigt Global Gateway Schwächen in der bisherigen Umsetzung: Die Steuerung gilt als stark zentralisiert und von der Kommission geprägt, während Transparenz bei der Projektauswahl, Beteiligung von Partnerländern sowie Einbindung von Zivilgesellschaft und Privatsektor als unzureichend bewertet werden. Daher fordern die Berichterstatter einen Übergang von einem Top-Down-Ansatz zu einer bedarfsorientierten Planung sowie bessere Monitoring- und Evaluationsmechanismen. "Um erfolgreich zu sein, braucht Global Gateway schnellere Entscheidungen, eine klarere Steuerung und Finanzierungsinstrumente, die den Privatsektor wirklich unterstützen, sowie eine bessere Abstimmung mit nationalen und regionalen Entwicklungsprioritäten", sagte Berichterstatterin und Vorsitzende des Ausschusses für Entwicklung des Europäischen Parlaments Hildegard Bentele (CDU). "Nur dann können wir nachhaltige, langfristige Partnerschaften aufbauen, von denen alle Seiten profitieren." 

Nächste Schritte: Governance stärken, Wirkung erhöhen

Für die Zukunft empfiehlt der Bericht Reformen der Governance-Strukturen, insbesondere eine stärkere Rolle des Global-Gateway-Boards, mehr parlamentarische Kontrolle und eine engere Koordinierung zwischen EU-Institutionen und Mitgliedstaaten im Rahmen des „Team-Europe“-Ansatzes. Zudem soll Global Gateway klarer im zukünftigen EU-Außenfinanzierungsrahmen verankert werden, insbesondere im Nachfolgeinstrument des NDICI – Global Europe für den Haushalt 2028–2034. Damit könnte die Initiative wirksamer zur nachhaltigen Entwicklung beitragen, die globale Rolle der EU stärken und eine regelbasierte internationale Ordnung unterstützen. 

Gleichzeitig betont das Parlament, dass die EU-Entwicklungszusammenarbeit weiterhin auf Armutsbekämpfung und menschliche Entwicklung ausgerichtet bleiben müsse, etwa in den Bereichen Gesundheit, Bildung und soziale Sicherung. Investitionen sollten zudem lokale Wertschöpfung, Beschäftigung und kleine sowie mittlere Unternehmen in Partnerländern stärken und keine neuen Schuldenrisiken erzeugen.
 

Figure: Global Europe Instrument in figures

Strategische Interessen und Entwicklungshilfe verbinden

Zur Bewertung der Global Gateway-Strategie und der Neuausrichtung der internationalen Partnerschaften der EU im Rahmen des Global Europe Instruments (s. Abbildung) kann das Konzept „Entwicklungshilfe zum gegenseitigen Nutzen“ („Mutual Interest ODA“) einen Beitrag leisten. Hierbei handelt es sich um den Anspruch, Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit zu identifizieren, die evidenzbasiert positive Auswirkungen sowohl auf Geber- als auch Empfängerseite haben. Bei dem Konzept „Mutual Interest ODA“ handelt es sich um einen Vorstoß von Tobias Heidland, et al., im Rahmen eines Working Papers für das Kiel Institut für Weltwirtschaft vom Juni 2025.

Empirische Beispiele zeigen das Potenzial dieses Ansatzes: Instrumente wie „Aid for Trade“ fördern positive Effekte für Geber- und Empfänger, da sie sowohl Exporte als auch Direktinvestitionen erhöhen. Auch die Entwicklungsgelder, die im Nachgang eines Konfliktes zur Stabilisierung eines Partnerlandes eingesetzt werden, führen zu starken positiven Effekten sowohl für das Empfängerland als auch für den Geber. Positive Auswirkungen von Entwicklungszusammenarbeit können auch weniger direkt sichtbar und messbar sein. Dies ist zum Beispiel bei eher geopolitisch gelagerten Interessen der Fall, z.B. über Einfluss in den Vereinten Nationen und durch „Soft Power“. 

Das Konzept der „Mutual Interest ODA“ lässt sich auch als Leitprinzip für die Weiterentwicklung von Global Gateway nutzen. Entwicklungszusammenarbeit wird dabei nicht mehr ausschließlich als einseitiger Transfer verstanden, sondern als strategische Investition in gemeinsame Stabilität, Wohlstand und Resilienz. Richtig ausgestaltet, können Projekte gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung in Partnerländern beitragen und zentrale Interessen der EU stärken – etwa durch stabilere Lieferketten, neue Absatzmärkte, geringeren Migrationsdruck oder erhöhte sicherheitspolitische Stabilität. Für die internationalen Partnerschaften der EU bedeutet dies, stärker auf solche Kooperationsfelder zu setzen, in denen sich entwicklungspolitische Ziele und europäische Interessen glaubwürdig überschneiden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine klare Ausrichtung an den Bedarfen der Partnerländer, transparente Kriterien für Projektauswahl sowie eine konsequente Wirkungsorientierung. Nur wenn Entwicklungszusammenarbeit als partnerschaftliches Angebot mit erkennbarem Mehrwert für beide Seiten gestaltet wird, kann sie langfristig politisch tragfähig sein und zur Stärkung der EU als globaler Akteur beitragen.

Kontakt

Annika Linck
Entwicklungspolitischer Dialog
Programm Managerin