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Digitaler Euro
Europa erhält ein neues digitales Zahlungsmittel

Autorin/Autor: Angela Ostlender

Der digitale Euro soll schon bald das digitale Gegenstück zum Bargeld werden: ein öffentliches, europaweit einsetzbares Zahlungsmittel, das zentrale Vorteile des Bargelds, insbesondere Privatsphäre und Anonymität, auch im digitalen Raum ermöglicht.

Der digitale Euro soll unter europäischer Verantwortung stehen und dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von internationalen privaten Zahlungsdienstleistern zu verringern. Ziel ist ein europaweit integriertes und resilientes Zahlungssystem, das die europäische Souveränität im Zahlungsverkehr stärkt.

„Das Ob ist entschieden. Der digitale Euro kommt. Und wir müssen jetzt dafür sorgen, dass er so marktwirtschaftlich kommt, dass die Banken hier ihrer Rolle gerecht werden können“, machte der CSU-Finanz- und Wirtschaftsexperte Markus Ferber, MdEP deutlich. Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken e.V., betonte, dass sich die Europäische Zentralbank auf ihre Rolle konzentrieren und die Kundenbeziehung bei den Banken bleiben müsse.

Die entscheidende Frage, die derzeit im Trilog zwischen Kommission, Europäischem Parlament und Rat verhandelt wird, lautet daher, wie der digitale Euro konkret ausgestaltet werden soll. Für den Bankensektor geht es dabei insbesondere um die Vergütung der beteiligten Institute, den Erhalt der Kundenbeziehung und die Kosten der Umsetzung.

Mehr als ein neues Zahlungsmittel

Dr. Alexandra Hachmeister, Leiterin des Zentralbereichs Digitaler Euro bei der Deutschen Bundesbank, ordnete das Projekt strategisch ein. Der digitale Euro sei „weit mehr“ als ein technisches Zahlungsmittel. Es gehe darum, Europas Handlungsfähigkeit und Souveränität in einer zunehmend digitalen Zahlungswelt zu sichern.

Nach den vorgestellten Zahlungsstatistiken wurden im Jahr 2025 etwa 55 Prozent der Zahlungen an der Ladenkasse bargeldlos durchgeführt. Ein großer Teil der digitalen Zahlungen wird über internationale Anbieter wie Visa, Mastercard oder PayPal abgewickelt. Hierdurch entstehen strategische Abhängigkeiten.

Daneben spielt der Datenschutz eine zentrale Rolle. Zahlungsdaten des digitalen Euro sollen nicht kommerzialisiert werden. Die Zentralbank soll lediglich anonymisierte Daten sehen und einzelne Transaktionen nicht einer bestimmten Person zuordnen können.

„Für uns ist der digitale Euro kein Selbstzweck, er ist eine strategische Antwort“ auf die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, geopolitische Abhängigkeiten und den globalen Wettbewerb um digitale Finanzinfrastrukturen, erklärte Hachmeister. Bestehende Europäische Zahlungsdienste wie Wero sollen sich dabei mit dem digitalen Euro ergänzen und von gemeinsamen europäischen Standards profitieren. Auch das Bargeld soll dadurch nicht ersetzt werden. Alle bisherigen Zahlungsformen sollen weiterhin neben dem digitalen Euro bestehen.

Banken bleiben erhalten

Eine zentrale Voraussetzung ist aus Sicht der Bundesbank der Erhalt der bestehenden zweistufigen Struktur des Bankensystems. Bürgerinnen und Bürger sollen keine Konten direkt bei der Europäischen Zentralbank führen, sondern die Beziehung zwischen Kunde und Bank erhalten bleiben. Der digitale Euro könnte beispielsweise über das bestehende Bankkonto beziehungsweise über die von der jeweiligen Bank bereitgestellte Wallet angeboten werden.

Die ursprünglich diskutierte verpflichtende EZB-Wallet ist nach den aktuellen Vorstellungen nicht mehr vorgesehen. Eine zentrale Wallet soll lediglich als Fallback zur Verfügung stehen. Noch offen sind insbesondere Fragen der Vergütung und der Kosten.

Halte-Limits und Finanzstabilität

Der digitale Euro soll nicht verzinst werden und ausdrücklich nicht als Anlageprodukt dienen. Halte-Limits sollen verhindern, dass größere Beträge aus Bankeinlagen in digitale Euro verlagert werden und dadurch die Liquidität des Bankensystems beeinträchtigen.

Wie hoch diese Limits ausfallen, wer sie festlegt und wie die beteiligten Banken vergütet werden, ist noch Gegenstand der Verhandlungen. Die Bundesbank betont zugleich, dass die Einführung des digitalen Euro die Stabilität des Bankensektors in keinerlei Hinsicht gefährden wird.

Pilotphase als nächster Schritt

Parallel zu den politischen Verhandlungen laufen bereits die technischen Vorbereitungen. Die Europäische Zentralbank plant für die zweite Hälfte 2027 einen zwölfmonatigen Pilotbetrieb und hat hierfür bereits Zahlungsdienstleister ausgewählt. Für Deutschland ist eine Beteiligung von Instituten aus allen drei Säulen des Bankensystems vorgesehen.

Bei einem erfolgreichen Pilotprojekt und dem Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens könnte der Digitale Euro ab 2029 schrittweise eingeführt werden. Bis dahin müssen insbesondere noch die Fragen der Halte-Limits, der Vergütung und der konkreten Einbindung der Banken geklärt werden.

Fragen rund um den digitalen Euro standen im Mittelpunkt des 8. Gesprächskreises Finanzen & Wirtschaft, einer hochrangig besetzten Expertenrunde des Europa-Büros in Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB) und dem Verband der Sparda-Banken e.V. Als prominente Gesprächspartnerin konnte Dr. Alexandra Hachmeister, Leiterin des Zentralbereichs Digitaler Euro bei der Deutschen Bundesbank, gewonnen werden. Moderiert wurde die Online-Veranstaltung von Markus Ferber, MdEP, CSU-Finanzexperte und Koordinator der EVP-Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments.

Kontakt

Programm Managerin: Angela Ostlender
European Dialogue
Europäischer Dialog
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Leiter: Christian Forstner
Belgien (Europa-Büro Brüssel)
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