Analyse
Das Erweiterungsdilemma der EU im Westbalkan
Ein "Graubereich" Südosteuropas? Der Westbalkan bezeichnet die verbliebenen sechs Länder der Region, die noch nicht Teil der Europäischen Union sind.
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Im Jahr 2003 gewährte Brüssel den Westbalkanstaaten eine Beitrittsperspektive. Die ersten Beitrittsgespräche – mit Nordmazedonien – begannen zwei Jahre später. Seither jedoch verging viel Zeit – begleitet von einer Reihe politischer und wirtschaftlicher Krisen, durch die der Westbalkan zunehmend aus dem Fokus der EU-Agenda geriet.
Nachdem Kroatien 2013 als bislang letztes Land der Union beitrat, antwortete Ursula von der Leyens Vorgänger Jean-Claude Juncker auf die Erweiterungsfrage mit einem klaren „nicht in meiner Amtszeit“. Die EU brauche „eine Pause von der Erweiterung, um das Erreichte zu konsolidieren“, erklärte er.
Als von der Leyen die Führung in Brüssel übernahm, war das europäische Interesse an einer erneuten Erweiterungsrunde somit verhalten. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine löste jedoch ein geopolitisches Erwachen aus – und rückte die Erweiterungspolitik der EU wieder in den Mittelpunkt.
Im Einklang mit dieser Entwicklung bezeichnen sowohl die Europäische Kommission als auch die neue Bundesregierung in Berlin den Erweiterungsprozess inzwischen als eine „geopolitische Notwendigkeit“. Auch im Bereich Sicherheit und Verteidigung intensiviert die EU ihre Zusammenarbeit: Mit Albanien und Nordmazedonien wurden Verteidigungspartnerschaften geschlossen, die künftig eine Beteiligung an Militärübungen und Rüstungsinitiativen ermöglichen.
Diskutierten am 24. Juni 2025 auf Einladung des Europa-Büros der Hanns-Seidel-Stiftung (v.l.r.): Jovana Marović, Christian Schmidt, Frauke Seebass, Michael Gahler, MdEP, and Marko Makovec.
Henrik Bauscher; HSS Europe
Die Hanns-Seidel-Stiftung lud im Juni in Brüssel mehrere politische Entscheidungsträger und Regionalexperten ein, um dieses Dilemma – zwischen geopolitischem Druck und unterschiedlichen Reformfortschritten – im Rahmen einer Podiumsdiskussion näher zu beleuchten.
Während der Debatte sprach sich Christian Schmidt, Hoher VN-Repräsentant für Bosnien und Herzegowina sowie stv. Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung, für einen gesamtheitlichen Ansatz in der europäischen Westbalkanpolitik aus. Ziel solle sein, alle sechs Staaten gleichzeitig in die EU zu integrieren. Aus geostrategischer Sicht, so Schmidt, wäre eine Integration des Westbalkans ohne Serbien unvollständig. Zudem könnten politische Entwicklungen in der Region nicht isoliert voneinander betrachtet werden.
Weiterhin diskutierten:
- Michael GAHLER, MdEP, EVP-Koordinator im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten, Europäisches Parlament;
- Jovana MAROVIĆ, Balkans in Europe Policy Advisory Group; ehem. stv. Premier- und Europaministerin, Montenegro;
- Marko MAKOVEC, Kabinettchef der EU-Kommissarin für Erweiterung.
Wo die einzelnen Beitrittskandidaten in den Verhandlungen mit der EU stehen und welche internen Herausforderungen die EU selber meistern muss, lesen Sie in unserem ausführlichen Veranstaltungsbericht hier.
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