Taskforce-Bericht
Für einen europäischen Ansatz beim Wiederaufbau der ukrainischen Landwirtschaft
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Landwirtschaft ist nach wie vor ein zentraler Eckpfeiler der ukrainischen Volkswirtschaft und leistet einen wesentlichen Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit. Der Wiederaufbau und eine schrittweise Integration in den Agrar- und Lebensmittelmarkt der EU sind daher von strategischer Bedeutung für das Land, aber auch für die EU und die Stabilität der internationalen Nahrungsmittelversorgung. Infolge des Krieges Russlands wurden jedoch weite Teile der ukrainischen Landesfläche zerstört und vermint.
Das Brüsseler Büro der Hanns-Seidel-Stiftung unterstützte daher das Centre for European Policy Studies (CEPS) bei der Durchführung einer Taskforce zum Wiederaufbau der ukrainischen Landwirtschaft. Im Rahmen mehrerer Treffen Ende 2025 brachte die Taskforce Vertreter der EU-Institutionen, ukrainische Wirtschafts- und Regierungsvertreter als auch internationale Organisationen, Entwicklungsbanken, Unternehmen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen.
Auswirkungen des Krieges: Weite Teile der ukrainischen Agrarflächen sind durch Kriegsschäden und Minen kontaminiert.
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Der daraus hervorgegangene Taskforce-Bericht „From Mines to Markets: Pathways for Ukraine’s Agricultural Recovery“ wurde in diesem Sommer veröffentlicht. Er verdeutlicht sowohl die anhaltende Bedeutung der ukrainischen Landwirtschaft als auch das Ausmaß der durch Russlands Krieg verursachten Zerstörungen. Trotz der kriegsbedingten Beeinträchtigungen entfielen im Jahr 2024 rund 14% des ukrainischen Bruttoinlandsprodukts und etwa 60% der Exporte auf die Landwirtschaft. Dennoch gelten schätzungsweise 23% der ukrainischen Landesfläche weiterhin als kontaminationsgefährdet. Diese Flächen müssen untersucht und entmint werden.
Der Taskforce-Bericht argumentiert, dass die vielfältigen Herausforderungen der Ukraine nicht getrennt voneinander bewältigt werden können. Er plädiert für einen „from mines to markets“-Ansatz, der die Räumung und Wiederherstellung landwirtschaftlicher Flächen mit dem Zugang zu Finanzierung, der Digitalisierung, dem Wiederaufbau der Infrastruktur sowie einem verlässlichen Zugang zu den europäischen und globalen Märkten verbindet.
Wiederaufbau der ukrainischen Landwirtschaft: Ein europäischer Weg in die Zukunft
Die EU spielt bereits eine zentrale Rolle – durch die Ukraine-Fazilität, die Europäische Investitionsbank, den Dienst für außenpolitische Instrumente und die Solidaritätskorridore für Getreidelieferungen aus der Ukraine („Solidarity Lanes“). Innerhalb dieses Rahmens unterstützt Brüssel zudem die Minenräumung und das ukrainische Entschädigungsprogramm für Landwirte mit kontaminierten Flächen.
Der Bericht empfiehlt, dass die europäische Unterstützung jedoch zunehmend Soforthilfe mit Investitionsgarantien, Kriegsrisikoversicherungen, institutionellem Kapazitätsaufbau und langfristiger regulatorischer Angleichung verbinden muss. Beispielsweise schlägt der Bericht eine engere Zusammenarbeit mit den EU-Institutionen vor, um Zertifizierungs- und Ausfuhrverfahren zu beschleunigen. Darüber hinaus könnte ein gemeinsames Zertifizierungslabel für Produkte von wiederhergestellten Flächen das Vertrauen der Verbraucher stärken. Zudem müssten Finanzhilfen „schrittweise von finanziellen Soforthilfen zu marktwirtschaftlichen Finanzierungsmechanismen übergehen, die an EU-Rechtsrahmen angepasst sind“.
Für die Digitalisierung der ukrainischen Agrarwirtschaft wird es zunehmend wichtig sein, diese Bemühungen mit der digitalen Governance der EU in Einklang zu bringen, insbesondere mit dem im Aufbau befindlichen Gemeinsamen Europäischen Agrardatenraum.
Ukrainische Landwirtschaft: Weizen- und Getreideernte.
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Vorteile für die EU und die globale Nahrungsmittelversorgung
Die Unterstützung des Wiederaufbaus der ukrainischen Landwirtschaft ist jedoch kein Wohltätigkeitsakt, sondern eine strategische Investition, die fest im wirtschaftlichen Interesse der Europäischen Union verankert ist. Ukrainisches Getreide, Ölsaaten, Eiweißpflanzen, Futtermittel und Düngemittel könnten dazu beitragen, die europäischen Lieferketten zu diversifizieren und die Ernährungssicherheit sowie die strategische Autonomie der EU zu stärken. Gleichzeitig müssen aber lokale Belastungen auf den Agrarmärkten, insbesondere in benachbarten Mitgliedstaaten – wie die Proteste französischer und polnischer Landwirte gegen gestiegene ukrainische Agrarimporte zeigten – durch eine verbesserte Transitinfrastruktur und verlässliche Handelsregelungen bewältigt werden. „In vielen Fällen könnte die EU eher als Transit und logistischer Partner denn als Endziel dienen“, heißt es in dem Bericht.
Daher plädiert der Taskforce-Bericht auch für eine enge Abstimmung des Wiederaufbaus des Sektors mit dem EU-Beitrittsprozess. „Die ukrainische Landwirtschaft sollte nicht als Konkurrenz, sondern in erster Linie komplementär zum Agrar- und Ernährungssystem der EU verstanden werden“, so die Autorin und Berichterstatterin Tinatin Akhveldiani (CEPS).
„Russlands brutaler Angriffskrieg gegen die Ukraine ist ein Make it or Break it Moment für Europa. Die Ukraine verteidigt Europa und kämpft einen Krieg, den Europa nicht führen will und teilweise auch nicht kann. Damit wird die Ukraine zu einem zentralen Faktor der europäischen Sicherheit, “ sagt Christian Forstner, Leiter des HSS Büros in Brüssel. Weiter:
„Genauso wichtig ist die Rolle der Ukraine für die globale Ernährungssicherheit. Der Wiederaufbau der Ukraine ist eine gewaltige Aufgabe. Die ukrainische Landwirtschaft muss exportieren können, nicht nach Europa, sondern in die Welt. Europa kann und muss dazu einen Beitrag leisten. Der Bericht zeigt genau auf, wie.“
Der vollständige Taskforce-Bericht kann hier abgerufen werden.
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(Ko-Autor: Nikoloz Lagvilava)
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